Samstag, 10. Oktober 2015

Männer- und Frauenmode - altmodische Trennung oder sinnvoll

Hallo Ihr Lieben,

überall tobt in den intellektuellen Kreisen eine Debatte um Gender. Ich halte nicht viel von diesen tönenden Wortgefechten, weil sie an der Realität vorbeigehen und in der Praxis ist es ohnehin unerheblich, ob jemand nun als maskulin, feminin oder neutrinum anzuschreiben oder anzusprechen ist. Man kann es drehen und wenden, aber eigentlich kommt damit nur eine gewisse Weltfremdheit zum Ausdruck, als könne man durch Wortspiele ernsthaft die Wirklichkeit verändern.

Ziemlich getrennt einerseits, aber auch als Ausdruck der neuen Selbstbewusstheit der Frauen geht es in der Mode zu. Während sich Frauen schon seit Jahren keine modischen Vorschriften, der Gender-Trennung bieten lassen und immer mehr die "klassische Männermode" aufrauchen, tut sich auf Männerseiten höchstens in avantgardistischen Kreisen oder aber im Bereich des Transgender, Crossdressing etwas.

Ich habe auch diesen Sommer wieder die vielen Frauen in ihren liftigen Kleidern und Röcken beneidet, wenn sie bei Temperaturen über 30 Grad luftig umherschwebten, während wir in unseren Hosen geschwitzt haben. Bestenfalls im Freizeitbereich ist eine Short angesehen, aber dann meist züchtig über die Knie hinweg. Mit meinen Shorts habe ich, trotz meiner durchaus vom Radsport her attraktiven Beine (übrigens glatt rasiert), oft kritische Blicke über mich ergehen lassen müssen.

Deshalb anbei meine kleine Umfrage. Wie schätzt Ihr das mit der Mode ein? Seid Ihr eher der klassische Typ, der sich nur im Anzug wohl fühlt oder wünscht Ihr Euch auch, so wie ich, mehr Mut in der Männermode, sei es mehr unisex oder auch den Griff in die Regale der Damenabteilung. Ist die strikte Trennung in Herrenmode und Damenmode, mal abgesehen von anatomischen Besonderheiten, eigentlich wirklich sinnvoll? Naja und für die Männer mit Brüsten sind ja gewisse anatomische Äquivalente zumindest bei den Oberteilen gegeben.

Bin ganz gespannt, wie Ihr das seht, gerne auch wieder Kommentare.

Viele liebe Grüße

Euer BraBerliner

Kommentare:

  1. Wenn die Notwendigkeit eines Bhs offensichtlich ist, ist es okay

    Jörn

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  2. Du reißt da eine interessante Frage an. Einerseits wird auf einer sehr abstrakten Ebene das Thema Gender diskutiert. Ein Zitat aus dem Tagesspiegel:

    Die meisten Menschen empfinden es als irritierend oder sogar als anmaßend, wenn eine Person sich als „Mann“ in Szene setzt, ohne über die dafür üblichen anatomischen Merkmale zu verfügen. „Solche Auftritte hinterfragen die herrschenden Verhältnisse. Denn sie machen bewusst, wie künstlich die Inszenierung von ,Mann’ und ,Frau’ überhaupt ist“, sagt Geschlechterforscherin Hark.

    Es gibt Unisextoiletten, um Transsexuelle und Transgender nicht zu diskriminieren.

    Andererseits ist die tägliche Realität eine andere. Ein Mann, der sich entscheidet, einen Rock zu tragen, wird schon komisch beäugt. Von Vielen wird er als Transe oder Schwuler bezeichnet, was genauso negativ gemeint wie falsch ist.
    Mit der Toleranz ist es nicht weit her, wenn ein Mann die „üblichen“ Kleidungsgrenzen durchbricht.

    Auch ich wäre in diesem Sommer lieber in Rock und Strümpfen statt im Anzug ins Büro gegangen. Mit glatt rasierten Beinen und Shorts im Privatbereich sehe ich allerdings keine Probleme. Wenn man sich im Fitnessstudio mal umschaut, sieht man viele Männer mit rasierten Beinen.

    Auch wenn man sich es anders wünscht, die gesellschaftliche Realität besteht aus eindeutigen Zuordnungen: ein Mann im Rock passt da nicht hinein. Bestenfalls wird er belächelt. Und würde ein Mann sich outen und offen dazu stehen, Strumpfhosen und Dessous zu tragen, er hätte es schwer, Akzeptanz zu finden.

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    1. Vielen Dank für Deine Anmerkungen. Genau das sehe ich als unser augenblickliches Problem an. Die intellektuelle Welt führt eine scheinbaren Kampf um Gleichstellungsfragen, der eigentlich absurd ist. Man wirft sich gegenseitig Rassismus, Sexismus u. ä. vor, wenn jemand die mittlerweile geächteten Worte, wie das "N..."-Wort oder ähnliches verwendet und streitet sich über Anreden, Die eigentlichen Probleme aber bleiben ungeklärt. Und so albern das auch klingt, bereits bei den Kleidungsfragen - die nun erstmal garnichts mit der eigenen Genderdefinition zu tun haben - pulverisiert sich alles. Da zeigt sich dann die Wirklichkeit des realen Lebens im Verhältnis zur Fiktion der Genderisierung. Ich denke, wir müssen erst die wirklichen Probleme lösen, bevor wir uns über sprachliche Dinge Gedanken machen, aber das ist natürlich viel schwerer und unbequemer.
      Ich habe auch mittlerweile den Eindruck, dass der Anzug ein Teil eines neuen "Konservatismus" der jüngeren Generation geworden ist. Während man in den 70ern und 80ern den Anzug mit dem alten bürgerlichen Mief verband, scheint er heute als Status reaktiviert zu werden, um sich von den neuen Kreativen in der Wirtschaft abzusetzen. Eigentlich schade, man muss nicht unbedingt bunt wie ein Papagei umherlaufen, aber der überkommene kleinbürgerliche Mief zeugt nicht unbedingt von einer offenen und gelockerten Einstellung zum Leben.

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  3. Hallo braberliner, hallo zusammen,

    ich (m26) wollte hier mal meine Lage schildern, denn es ist schwierig, mit Menschen offen darüber zu sprechen. Im Berufsalltag trage ich oft einen Sport-BH, da es sich einfach toll anfühlt und die Brust dann nicht auf dem Bauch liegt und klebt. Bei meiner Größe (90 B) ist es noch nicht so notwendig, den Busen zu stützen, aber der Sport-BH kaschiert schon ein wenig. Mein Chef hat mich auch schon des öfteren wegen meiner Schulterhaltung angesprochen, aber kann ihm ja schlecht sagen, dass ich nicht der Welt meinen Busen entgegen strecken möchte. Wenn ich alleine bin, trage ich zu Hause auch gerne einen Push-up, weil ich den Ausschnitt einfach toll anzusehen finde. Die Freundin mag meinen Busen auch eigentlich, aber als ich das Thema BH angesprochen habe, hat sie nur gelacht. Das geht wohl zu weit in einer Welt der Definition des Gender.
    Nur weiß ich nicht, wie ich weiter damit umgehen soll, offensiv und dazu stehen, oder doch verstecken und so weiter machen wie bisher.
    Danke für deinen Blog und deine/eure Antwort.

    Grüße
    Anonym

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  4. Hallo, nur du selbst kannst für dich entscheiden, ob du einen BH brauchst und ihn damit täglich tragen möchtest. Das will überlegt sein. Oder ist es eher eine Laune und keine Notwendigkeit. Wenn du dich dafür entscheidest, dann solltest du dich mit dem Gedanken befassen, das es nicht ausbleiben wird, dass es dem einen oder anderen mal auffällt und wie du dann reagierst. Besonders gilt dies für den Kreis deiner Freunde und Bekannten. Du solltest davon ausgehen, dass es sicher einige negative Reaktionen geben wird.

    Was bedeutet die Reaktion deiner Freundin? Toleriert sie es, wenn du BH trägst? Das sie dich so akzeptiert ist sicher ganz wichtig.

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  5. Hallo und danke für deine Antwort.
    Durch den Sport-BH habe ich einen ganz guten Kompromiss gefunden, den sieht man nicht so sehr aber hilft mir sehr. Zwei mal habe ich einen richtigen BH auf Arbeit getragen. Da wurde ich nur von einer jüngeren Kollegin angesprochen. Das war aber ein nettes Gespräch..
    Meine Freundin habe ich mal drauf angesprochen, um zu sehen, wie sie reagiert, aber da kam nur ein müdes lächeln.. Vor ihr getragen habe ich noch nie einen BH, aber in Ihrer Abwesenheit trage ich auch gerne ihre Push-ups. Wirklich notwendig denke ich ist das tragen von BH bei B-cup ja nicht, daher fehlen mir die Argumente vor meiner Partnerin..

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  6. Ich trage wegen meiner Gynäkomastie seit zwei Jahren täglich einen Sport BH. Zu Hause darf es auch mal was hübscheres sein. Meine Frau war anfänglich skeptisch eingestellt, sie hat sich aber schnell daran gewöhnt. Sollte einfach keine zu weiblichen Modelle sein. Wobei mir zu viele Spitzen an mir auch nicht so gefallen.
    Abgesehen vom BH trage ich, was mir gefällt. Da kann schon mal ein Shirt aus der Damenabteilung darunter sein, einfach weil es mir besser sitzt. Da ich früher lange Ballett tanzte, sehe ich die Grenzen zwischen Damen- und Herrenbekleidung nicht so eng. So trage ich zu Hause seit je her Ballettschläppchen, ganz einfach, weil sie bequem sind. Im Winter auch gerne mal dickere Strumpfhosen. Hübscher als lange Unterhosen sind sie auch beim Mann. In der Öffentlichkeit ist dies bis jetzt noch nie gross aufgefallen und Freunde haben sich keine daran gestossen.

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    1. Wie alt bist du wenn ich fragen darf? Hast du auch eine richtige Gynäkomastie?
      Ich stoße bei meiner Freundin leider nur auf Gelächter..

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  7. Wieso Gelächter? Weil deine Freundin meint, ein BH sei nicht nötig? Auch ein B cup ist doch schon etwas. Viele Frauen müssen sich auch damit zufrienden geben.

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  8. Ja, sie meint, ein BH ist nicht nötig und sie möchte keine Frau sondern einen Mann.. Ist schon schwierig.. Ich trage hält jetzt ständig einen BH, auf Arbeit einen Sport-BH und unterwegs einen normalen schalen-bh. Außer halt zu Hause, also weiß sie nichts davon. Wohl die falsche Freundin für das Thema..

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    1. Es wird sicher nicht leicht, deine Freundin zu überzeugen. Heimlich einen BH zu tragen, halte ich aber nicht für eine sinnvolle Lösung. Was machst du, wenn sie es durch irgendeinen dummen Zufall herausfindet? Trägt deine Freundin einen BH? Mache ihr doch mal den Vorschlag darauf zu verzichten.
      Und sie möchte einen Mann und keine Frau. Ein BH, den du wegen deiner Brust trägst, macht dich nicht zur Frau. Es bedarf noch einiger Diskussionen, aber das solltest du tun.

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  9. Zitat: "Wohl die falsche Freundin für das Thema.. "
    Das siehst Du schon richtig und ich denke, auf lange Sicht wirst Du Dich entscheiden müssen, was Dir wichtiger ist. Vollkommene Freiheit in Kleidungs- und Unterwäscheangelegenheiten oder die Freundin. Die Heimlichtuerei ist auf Dauer auch keine Lösung, sondern umgeht das Problem. Zudem könnte es sein, dass durch irgendeinen Zufall Deine Freundin doch mitbekommt, dass Du hinter ihrem Rücken einen BH trägst. Was dann?
    Meine Frau reagiert ähnlich und ich habe mich gegen das Tragen entschieden, nicht nur in ihrer Gegenwart, sondern auch wenn ich tagsüber alleine bin. Mir passt je nach Schnitt die Größe 90 B bzw. 90 C, meine Brust ist also auch nicht gerade klein.

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    1. Ich kann Dir in weiten Teilen zustimmen. Entscheidend sollte aber die Frage sein, wie wir uns persönlich fühlen. Geht es um das Tragen eines Kleidungsstückes - ja sicherlich die Freiheit der Kleidung, die wir tragen - oder geht es darum, dass wir nach Komfort suchen. Niemand muss wegen eines Busens einen BH tragen. Das stelle ich mal so hin. Frage mal Deine Freundin oder Frau, warum sie einen BH trägt. Viele Frauen tragen einen BH, weil sie es so gelernt haben (Erziehung). Viele tragen eine falsche Größe und leiden darunter, aber sie tragen BH, weil das so sein muss. Insofern verstehe ich zwar die Reaktion, (Wieso will der so was unbequemes tragen?), allerdings zeugt das von eingeschränkter Toleranz. Es kommt wohl auf die Beziehung im Ganzen an und auf das gegenseitige Verhältnis, warum ist man in der Beziehung, was erwartet jeder vom anderen.
      Demnach helfen da auch keine guten Ratschläge.

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