Sonntag, 2. Februar 2014

Off - topic - Was ist eigentlich Gesundheit?


Hi Leute,

eigentlich müsste die Frage ja lauten, was krank ist. Aber das kann man wahrscheinlich nicht richtig beantworten. Ich trage das Thema schon eine ganze Weile mit mir herum, weil man ja immer wieder von Wohlstandskrankheiten liest, die angeblich immer mehr um sich greifen und die Menschheit bedrohen. Oder sollte die Frage nicht besser heißen, was ist Suggestion?

Spätestens seit der Vogelgrippe-Hysterie sollten wir uns ernsthaft fragen, was wirklich lebensbedrohlich ist, die Erreger und Unbilden, mit denen wir schon seit Jahrhunderten irgendwie leben und immer besser zurecht kommen oder die Leute, die uns regelmäßig verunsichern, wir wären ungeschützt deren Bedrohung ausgesetzt, wenn wir nicht …

Um das Ganze noch zu würzen, kann man der Modeerscheinung des letzten und aktuellen Jahrhunderts, den sogenannten psychischen Erkrankungen besondere Aufmerksamkeit zukommen lassen. Neueren Studien zufolge erkranken immer mehr Menschen in den hochentwickelten Zivilgesellschaften an Krankheiten, die wir früher einfach nur als Überlastung, Bewegungsdrang oder Scheitern begriffen haben. Hierfür werden solche kunstvollen Begriffe verwendet, wie „Burn-out-Syndrom“ oder „ADHS“. Aber auch normale Alterserscheinungen werden heutzutage ebenfalls untersucht, ob sie denn vielleicht mit einem Schnitt hier, einer Spritze da oder einem geheimnisvollen Medikament behandelt werden könnten. Nein, das soll nicht zynisch daher kommen, aber ich frage mich ernsthaft, ob es denn so schlimm ist, wenn einmal ein Projekt misslingt, wenn hier und da Falten auftauchen oder wenn …

Vielleicht ist es der Fluch der modernen Welt, dass wir immer alle ganz vorn sein wollen, immer jugendlich aussehen wollen oder Niederlagen nicht eingestehen können. Interessant dabei ist, dass wir uns als Therapien das ausdenken, was eigentlich gar keiner Diagnose bedarf, wie zum Beispiel „Entschleunigen“ *grrrrhhhhh*, was für ein schlimmes Wort.

Aber zurück zu der Ursprungsfrage, was ist eigentlich gesund? Für mich ist gesund, wenn das, was ich tue, mir Spaß macht, wenn ich abends entspannt und müde ins Bett falle, wenn ich mich über schöne Dinge freuen und über schlechte Dinge ärgern kann, wenn ich bei Niederlagen weinen und bei Siegen lachen und mich freuen kann. Für mich ist gesund, wenn ich mit dem, was ich tue glücklich bin.

Ich denke, das ist ein guter Grund, jetzt wieder etwas zu entschleunigen …

Euer BraBerliner

Kommentare:

  1. Ich glaube, die Herausforderung liegt daran, Konzepte nicht in absolut geltende, identitäre Normen zu verwandeln sondern sie als undogmatische Instrumente zu verwenden: ich denke, es kann schon helfen, Begriffe wie ADHS zu haben, wenn sie nicht mit einem ganzen Idenitätskonstrukt daherkommen und einer obligatorischen Behandlungsmethode. Begriffe sind sind halt an Erkenntis geknüpft - ohne geht's nicht. :)

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    1. Naja, wenn es nur Begriffe sind, die helfen, wieder klar zu kommen, dann ist es ja ok. Aber leider hängt da jedesmal eine gesamte Industrie dran, die damit verdient, den Leuten Krankheiten einzureden. Vielleicht ist es ja auch einfacher, eigenes "Versagen" als Krankheit zu betrachten, da gibt es Mittel dagegen und krank werden kann ja jeder. :-)

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