Hallo liebe LeserInnen,
da habe ich doch tatsächlich mein Blogiläum verschlafen. Gestern vor genau drei Jahren erschien hier mein erster Post "Schon wieder so ein Blog".
Ich denke mit positivem Gefühl zurück und werde auf keinen Fall aufhören. Zwar poste ich weniger, als am Anfang, als vieles so aus mir raussprudelte. Aber ein Post pro Monat ist eigentlich auch ganz ordentlich.
Ich habe mich über viele freundliche Kommentare und Rückmeldungen per PM gefreut und auch darüber, dass sich der eine oder andere dazu entschlossen hat, es mal mit einem Brafitting zu versuchen.
Ich möchte allen Verkäuferinnen und Geschäftsinhaberinnen dafür danken, die Verständnis für Männer wie mich aufbringen und einfühlsam auf unsere Bedürfnisse eingehen.
Ich persönlich werde auch weiterhin mit diesem Blog versuchen, Berührungsängste abzubauen und mithelfen, körperpositiv mit seinem eigenen Körper umzugehen. Dazu gehört auch, wenn es zum inneren Frieden beiträgt, als Mann einen BH zu tragen.
Naja und selbstverständlich werde ich auch weiterhin in diversen Reviews unterschiedliche BHs vorzustellen, die an der männlichen Anatomie gut funktionieren.
Das solls für heute gewesen sein. Als nächstes kommt ein Jahresrückblick mit meinen 2015er Favoriten und dem Ausblick aufs neue Jahr.
Bis dahin
Euer BraBerliner
Viele Männer bekommen mit Mitte 40 einen Busen, manche bereits in der Jugend. Viele leiden darunter. Überall werden Operationen angeboten, aber es geht auch anders. Wenn man bereit dazu ist, einen Büstenhalter zu tragen. Schließlich machen es ja Millionen Frauen auch. Men over 40 often have boobs, someone has pain. They can have a surgery or wear a bra, million women do so.
Dienstag, 8. Dezember 2015
Donnerstag, 19. November 2015
Empreinte Melody – französische Spitzenlingerie
Hallo Ihr Lieben,
eigentlich hatte ich vor, noch ein paar Tage zu warten, bis
ich meinen Review zum Melody bringe, dann habe ich Anjas Beitrag bei Facebook
zur neuen Kollektion von Empreinte entdeckt und da konnte ich nicht länger
warten.
Die Marke Empreinte des gleichnamigen Unternehmens gibt es
seit der Gründung 1946. In der Nachkriegszeit war der Wunsch nach praktischer
und schöner Lingerie groß. Empreinte begann relativ zeitig auch größere
Cupgrößen zu produzieren, die guten Komfort und Chic verbinden. Ein besonderes
Merkmal sind die vielen liebevollen Details in den den Stickereien und die
ausgezeichneten nahtlosen Körbchen, die die BHs neben ihrem Schick nahezu
unsichtbar machen. Ich bin zufällig auf die Marke bei meinem letzten Besuch bei
Doppel D gestoßen und war von der Marke so fasziniert, dass ich spontan den
Empreinte Melody gekauft habe. Die neuen Modelle der Herbst-Winter-Kollektion
2015 versprechen wunderschöne Lingerie und machen Appetit auf mehr.
| Empreinte Melody |
Der Melody ist ein als Full-Cup ausgeführter Mittelträger-BH
mit nahtlos vorgeformten Körbchen (moulded), die anders als viele andere
Modelle anderer Marken mit fein ziselierten Motiven bestickt sind. Schon das
Ansehen dieser Motive macht Freude. Darüber hinaus aber sind diese äußerst
angenehm auf der Haut, so dass die bei vielen gleichartigen Modellen anderer
Marken unterlegte zusätzliche Tüllschicht entfallen kann. Die Körbchen selbst
sind dabei sehr stabil und formbeständig, ohne jedoch einzuengen oder
einzuschneiden.
| nahtlose Körbchen mit durchgehender Stickerei |
Die Konstruktion des BHs insgesamt macht einen sehr soliden
Eindruck. Beim Melody ist die Stickerei eine Blumenstickerei im als Netz
gefertigten Körbchen. Schon dass ich so umfangreich beschreibe, verdeutlicht
meine Begeisterung für diesen BH.
Aber zunächst zu den Maßen
Maße:
Angaben in
cm
|
Melody 80 E
|
Material
|
Polyamid
44 %
Polyester
44 %
Elastan 12
%
|
Unterbrustband
Länge: fest / locker
|
100 / 75
|
Unterbrustband
Höhe: Achseln / Verschluss
|
11 / 3,5
|
Bügellänge
/ Bügelbreite
|
30 (+1) / 17
|
Steghöhe /
Stegbreite unten / oben
|
7 / 4,5 /
1
|
Körbchentiefe
|
29
|
Trägerlänge
/ Trägerbreite
|
35 / 1,6 –
2,5
|
Konstruktion:
Der BH ist solide konstruiert, die Körbchen sind durch einen
festen Abschluss begrenzt, ohne zusätzliche Quer- oder Senkrechtnähte, am
unteren Ende sorgen die gut abgepolsterten Bügel für die nötige Stabilität.
| verstärkte und verbreiterte Träger auf der Schulter |
Das
Unterbrustband ist durch den relativ hohen Elasthananteil relativ weit dehnbar.
Die Bügel sind relativ breit und die Körbchen eher tief, weshalb ich bezogen
auf meine Kreuzgrößen mit dem Cup nach unten gehen konnte (herkömmlich habe ich
eine 38 E entspricht einer 85F, hier habe ich eine 80 E probiert).
Passform:
Der BH sitzt ausgezeichnet. Die auf den Schultern
verbeiterten Träger sind ausgezeichnet und sehr weich.
| Super Sitz |
| Keine Nähte, keine Sichtbarkeit |
Bei den Fotos war nicht
aufgefallen, dass der rechte Träger verdreht war, ich bin dann erst am späten
Nachmittag darauf aufmerksam geworden. Bei jedem anderen BH hätte ich vorher
den verdrehten Träger unangenehm gespürt.
| rechter Träger verdreht und keiner merkt es |
Zuletzt habe ich den Komfort von 3er
Hakenverschlüssen genossen, bei diesem BH gibt auch der weiter verbreitete 2er
Hakenverschluss angenehmen Halt. Einzig die Bügel empfand ich etwas fest, aber
das ist nur ein kleiner Makel.
| natürliche runde Brustform |
Der BH gibt übrigens eine sehr schöne, natürlich runde Brustform.
Design:
Für einen schlichten Full-Cup finde ich das Design
überwältigend. Vergleichbar damit ist der Cassiopee der
Herbst-Winter-Kollektion. Anja hat mir auch schon vorgeschlagen zu testen und
das werde ich garantiert auch machen. Die Träger satinartig und auf den
Schultern zusätzlich gepolstert und verbreitert. Alles, einschließlich der
kleinen Zierschleife zwischen Cups und der Versteller der Träger ist in schwarz
gehalten.
| Seitenansicht - natürlich Brustform |
Die Seitenteile sind fester Stoff, sowohl Cups, als auch Steg sind
durchgehend netzartig gestickt.
Gesamteindruck:
Der Melody ist ein außergewöhnlicher, schicker und sehr
bequemer Alltags-BH, hat allerdings mit ca 100 € auch seinen Preis. Allerdings ist
dieses Geld ausgezeichnet angelegt. Ich denke, das wird nicht mein letzter
Empreinte gewesen sein.
So, nun seid Ihr dran. Kennt Ihr die Marke? Würdet Ihr 100 €
für einen Alltags-BH ausgeben? Kennt Ihr andere Modelle der Marke? Welches ist
Euer Favorit? Auf Eure Kommentare freue ich mich wie immer sehr.
Bis dahin alles Gute
Euer BraBerliner
Donnerstag, 12. November 2015
Kleider machen Leute - Kleidungsstücke als Ausdruck unserer Geschlechtszugehörigkeit
Ein bisschen Off-Topic
Hallo Ihr Lieben,
Es gibt den sogenannten "Ententest", der eigentlich nichts anderes bedeutet, als an äußeren Merkmalen etwas zu definieren. "Es schwimmt wie eine ente, es schnattert wie eine Ente, also ist es eine Ente".
Wir alle verhalten uns unbewusst analog, wenn wir von anderen identifiziert werden wollen oder andere identifizieren. Ein wesentlicher Bestandteil unserer Entscheidung ist dabei das "Erscheinungsbild".
Sprechen mit tiefer Stimme = Mann, wer die ersten Folgen des Tatorts aus Münster kennt, weiß, das genau diese Schlussfolgerung den Kommissar Thiel zur Schlussfolgerung bringt, mit "Herrn Staatsanwalt" zu telefonieren.
Noch deutlicher fällt unsere Beurteilung vom visuellen Standpunkt aus, wenn schematische Muster auf das Geschlecht übertragen werden. Dort wird eine klare Zuordnung von Kleidungsstücken zum Geschlecht vorgenommen, die weniger anatomisch als erfahrungsbedingt begründet ist. Im Unterschied zum Ententest wird hier das Erscheinungsbild jedoch wesentlich weniger umfangreich reflektiert, in aller Regel begnügen wir uns mit gesellschaftlich erworbenen einfachen Kriterien. Es kann jeder mal für sich nachdenken, was ihm oder ihr einfällt, wenn es um die Herausstellung typisch weiblicher oder männlicher Merkmale geht. Hier mal eine kleine, nicht repräsentative Auswahl:
Ist das wirklich so? War der überwiegende Teil der Gesellschaft nicht viel konservativer und lockert sich zunehmend und nur der vor allem mediale Blickwinkel ist jetzt ein anderer?
In den Kommentaren zu meinem letzten Post ist die indirekte Fragestellung aufgekommen, inwieweit Kleidungsstücke zurückstrahlen auf die Wahrnehmung durch andere. Das ist ein ernstes Thema, insbesondere in der Phase der Selbstfindung, in der neben der Herausbildung des "Ichs" auch die sexuelle Orientierung und Bindung stattfindet. Ein Junge im BH ist für ein Mädchen wohl eher weniger interessant, als der dem gesellschaftlichen Normativ entsprechende Junge in Jeans mit sofern schon vorhanden Drei-Tage-Bart. Demnach wird der Junge mit "Busen" wohl auch kaum einen BH tragen, wenn seine Suche nach einem weiblichen Partner startet. Er wird sich eher schämen und versuchen seinen "Makel" zu verbergen. Im Gegenzug ist wohl zu erwarten, dass Mädchen, die einen kleinen Busen haben, versuchen sich "aufzuwerten", z. B. durch pushende BHs etc.
Lebenspartnerschaften, die aus gemeinsamen Zielen resultieren und die weniger auf einem sich gegenseitig schmückenden (Seht welch attraktiven Mann, welche attraktive Frau ich mir leisten kann.) sind meistens erfüllter und stabiler, "Makel" werden meist erheblich großzügiger toleriert, wenn es gemeinsame Ziele und Interessen gibt. Letztlich sind wir also allesamt Opfer unserer über Jahrhunderte immer weiter verfeinerten Seh-Sinne. Es ist unbestritten, dass schwer Sehbehinderte deutlich tiefgründigere und emotional festere Beziehungen eingehen können, als der Durchschnitt der Bevölkerung. Zurückzuführen ist das darauf, dass die Entscheidungsbildung weniger stark vom Sehen beeinflusst wird.
Insofern ist für mich die Kleidungsfrage eine sehr komplizierte Frage, weil wir eben in einer stark vom Sehen geprägten Gesellschaft leben. Leider wird der Ententest dann eben ausschließlich anhand der visuellen Wahrnehmung angewendet und das Ergebnis aus einem stereotypen und sehr kleinen Katalog an Lösungen ausgewählt. Wir sind also begrenzt in unserer Freiheit, uns individuell zu verhalten, wenn wir innerhalb der Gesellschaft als gesellschaftsfähig anerkannt werden wollen. Die Regeln dafür, was gesellschaftsfähig ist, können wir als Individuum nur marginal beeinflussen. Deshalb bin ich von jeder Initiative begeistert, die Vielfalt als normativ ansieht, die Individualität als gesellschaftsfähig charakterisiert und die von Stereotypen in der Wahrnehmung klaren Abstand nimmt.
Als ich mit diesem Blog gestartet bin, war das aus einem gewissen Drang heraus, klarzustellen, dass ich - auch wenn ich regelmäßig einen BH trage - ein ganz normaler Mann bin, der auch als solcher wahrgenommen werden will und der andere Männer, die analog betroffen sind, ermutigen will, es ihm gleichzutun. Zwangsläufig habe ich mich in den letzten drei Jahren mit vielen Beiträgen zum Thema Mode, Kleidung, Gender und Sexualität in den Medien beschäftigt. Was mir oftmals aufgefallen ist, war eine gewisse Intoleranz von allen Seiten, sowohl den Schreibern und Schreiberinnen, als auch den Personen, die kommentierten. Es ist die gleiche Intoleranz, die uns zunehmend unter dem Eindruck der aktuell hohen Anzahl an Flüchtlingen entgegenschlägt. Und damit meine ich nicht nur diejenigen, die sich massiv für eine Abschottung aussprechen.
In der Gesellschaft hat sich ein Irrtum herausgebildet, der gerade in schwierigen Situationen immer wieder zu Problemen führt. Unter dem Eindruck, gegen Schwarz-weiß ein Abbild von Abstufungen wahrzunehmen, wird verkannt, dass eine Entscheidung immer binär ist. Ich muss mich immer pro oder contra entscheiden, ich kann zwar die Frage ändern, aber ich muss immer ja oder nein sagen. Im Praktischen muss ich also immer abwägen, wofür genau ich mich entscheiden kann, das gilt in Fragen der menschlichen Bindung genau so, wie bei der Wahl des Berufes, bei der Frage der Kleidung und bei allen anderen Lebensfragen. Jede Entscheidung, die wir treffen hat natürlich Auswirkungen über unsere weitere Entwicklung.
Das bedeutet im Umkehrsinn aber auch, dass wir uns klar darüber sein müssen, wie unsere Entscheidung in Sachen Kleidung von unserer Umwelt wahrgenommen wird. Wir sollten uns klar sein, dass wir mit der Art, wie wir uns kleiden, wir unbewusst kommunizieren, wie andere uns wahrnehmen sollen. Hierfür aber werden im verkürzten Ententest im Allgemeinen die aktuellen gesellschaftlichen Normative herangezogen und die lauten:
Wir können an uns natürlich einen Aufkleber befestigen, "Ich bin ein Mann", aber die Wahrnehmung wird dann nicht sein: Ein Mann , sondern Ein als Frau verkleideter Mann.
Für mich persönlich heißt das, ich werde auch weiterhin einen BH tragen, werde aber immer bedenken, dass ich für andere möglicherweise ein verkleideter Mann bin. Es heißt aber auch, dass ich in meinem persönlichen Umfeld (die meisten interessieren sich eh nicht für mich) nur Menschen akzeptiere, die mich im BH als Mann akzeptieren.
Bis dahin
Euer BraBerliner
PS: Es gibt Neuigkeiten. Ich habe mich unlängst in die Marke Empreinte verliebt. Zugegeben nicht eben besonders preiswert, aber himmlisch und ihren Preis wert. Meinen Review zum Melody lest Ihr demnächst.
Hallo Ihr Lieben,
Es gibt den sogenannten "Ententest", der eigentlich nichts anderes bedeutet, als an äußeren Merkmalen etwas zu definieren. "Es schwimmt wie eine ente, es schnattert wie eine Ente, also ist es eine Ente".
Wir alle verhalten uns unbewusst analog, wenn wir von anderen identifiziert werden wollen oder andere identifizieren. Ein wesentlicher Bestandteil unserer Entscheidung ist dabei das "Erscheinungsbild".
Sprechen mit tiefer Stimme = Mann, wer die ersten Folgen des Tatorts aus Münster kennt, weiß, das genau diese Schlussfolgerung den Kommissar Thiel zur Schlussfolgerung bringt, mit "Herrn Staatsanwalt" zu telefonieren.
Noch deutlicher fällt unsere Beurteilung vom visuellen Standpunkt aus, wenn schematische Muster auf das Geschlecht übertragen werden. Dort wird eine klare Zuordnung von Kleidungsstücken zum Geschlecht vorgenommen, die weniger anatomisch als erfahrungsbedingt begründet ist. Im Unterschied zum Ententest wird hier das Erscheinungsbild jedoch wesentlich weniger umfangreich reflektiert, in aller Regel begnügen wir uns mit gesellschaftlich erworbenen einfachen Kriterien. Es kann jeder mal für sich nachdenken, was ihm oder ihr einfällt, wenn es um die Herausstellung typisch weiblicher oder männlicher Merkmale geht. Hier mal eine kleine, nicht repräsentative Auswahl:
- Weiblich: Kleid, High Heels, Make-up, Strumpfhose,
- Männlich: Jeans, Anzug, Drei-Tage-Bart, Motorrad
Ist das wirklich so? War der überwiegende Teil der Gesellschaft nicht viel konservativer und lockert sich zunehmend und nur der vor allem mediale Blickwinkel ist jetzt ein anderer?
In den Kommentaren zu meinem letzten Post ist die indirekte Fragestellung aufgekommen, inwieweit Kleidungsstücke zurückstrahlen auf die Wahrnehmung durch andere. Das ist ein ernstes Thema, insbesondere in der Phase der Selbstfindung, in der neben der Herausbildung des "Ichs" auch die sexuelle Orientierung und Bindung stattfindet. Ein Junge im BH ist für ein Mädchen wohl eher weniger interessant, als der dem gesellschaftlichen Normativ entsprechende Junge in Jeans mit sofern schon vorhanden Drei-Tage-Bart. Demnach wird der Junge mit "Busen" wohl auch kaum einen BH tragen, wenn seine Suche nach einem weiblichen Partner startet. Er wird sich eher schämen und versuchen seinen "Makel" zu verbergen. Im Gegenzug ist wohl zu erwarten, dass Mädchen, die einen kleinen Busen haben, versuchen sich "aufzuwerten", z. B. durch pushende BHs etc.
Lebenspartnerschaften, die aus gemeinsamen Zielen resultieren und die weniger auf einem sich gegenseitig schmückenden (Seht welch attraktiven Mann, welche attraktive Frau ich mir leisten kann.) sind meistens erfüllter und stabiler, "Makel" werden meist erheblich großzügiger toleriert, wenn es gemeinsame Ziele und Interessen gibt. Letztlich sind wir also allesamt Opfer unserer über Jahrhunderte immer weiter verfeinerten Seh-Sinne. Es ist unbestritten, dass schwer Sehbehinderte deutlich tiefgründigere und emotional festere Beziehungen eingehen können, als der Durchschnitt der Bevölkerung. Zurückzuführen ist das darauf, dass die Entscheidungsbildung weniger stark vom Sehen beeinflusst wird.
Insofern ist für mich die Kleidungsfrage eine sehr komplizierte Frage, weil wir eben in einer stark vom Sehen geprägten Gesellschaft leben. Leider wird der Ententest dann eben ausschließlich anhand der visuellen Wahrnehmung angewendet und das Ergebnis aus einem stereotypen und sehr kleinen Katalog an Lösungen ausgewählt. Wir sind also begrenzt in unserer Freiheit, uns individuell zu verhalten, wenn wir innerhalb der Gesellschaft als gesellschaftsfähig anerkannt werden wollen. Die Regeln dafür, was gesellschaftsfähig ist, können wir als Individuum nur marginal beeinflussen. Deshalb bin ich von jeder Initiative begeistert, die Vielfalt als normativ ansieht, die Individualität als gesellschaftsfähig charakterisiert und die von Stereotypen in der Wahrnehmung klaren Abstand nimmt.
Als ich mit diesem Blog gestartet bin, war das aus einem gewissen Drang heraus, klarzustellen, dass ich - auch wenn ich regelmäßig einen BH trage - ein ganz normaler Mann bin, der auch als solcher wahrgenommen werden will und der andere Männer, die analog betroffen sind, ermutigen will, es ihm gleichzutun. Zwangsläufig habe ich mich in den letzten drei Jahren mit vielen Beiträgen zum Thema Mode, Kleidung, Gender und Sexualität in den Medien beschäftigt. Was mir oftmals aufgefallen ist, war eine gewisse Intoleranz von allen Seiten, sowohl den Schreibern und Schreiberinnen, als auch den Personen, die kommentierten. Es ist die gleiche Intoleranz, die uns zunehmend unter dem Eindruck der aktuell hohen Anzahl an Flüchtlingen entgegenschlägt. Und damit meine ich nicht nur diejenigen, die sich massiv für eine Abschottung aussprechen.
In der Gesellschaft hat sich ein Irrtum herausgebildet, der gerade in schwierigen Situationen immer wieder zu Problemen führt. Unter dem Eindruck, gegen Schwarz-weiß ein Abbild von Abstufungen wahrzunehmen, wird verkannt, dass eine Entscheidung immer binär ist. Ich muss mich immer pro oder contra entscheiden, ich kann zwar die Frage ändern, aber ich muss immer ja oder nein sagen. Im Praktischen muss ich also immer abwägen, wofür genau ich mich entscheiden kann, das gilt in Fragen der menschlichen Bindung genau so, wie bei der Wahl des Berufes, bei der Frage der Kleidung und bei allen anderen Lebensfragen. Jede Entscheidung, die wir treffen hat natürlich Auswirkungen über unsere weitere Entwicklung.
Das bedeutet im Umkehrsinn aber auch, dass wir uns klar darüber sein müssen, wie unsere Entscheidung in Sachen Kleidung von unserer Umwelt wahrgenommen wird. Wir sollten uns klar sein, dass wir mit der Art, wie wir uns kleiden, wir unbewusst kommunizieren, wie andere uns wahrnehmen sollen. Hierfür aber werden im verkürzten Ententest im Allgemeinen die aktuellen gesellschaftlichen Normative herangezogen und die lauten:
Eine Person im Kleid oder in High Heels oder im BH ist eine Frau!
Wir können an uns natürlich einen Aufkleber befestigen, "Ich bin ein Mann", aber die Wahrnehmung wird dann nicht sein: Ein Mann , sondern Ein als Frau verkleideter Mann.
Für mich persönlich heißt das, ich werde auch weiterhin einen BH tragen, werde aber immer bedenken, dass ich für andere möglicherweise ein verkleideter Mann bin. Es heißt aber auch, dass ich in meinem persönlichen Umfeld (die meisten interessieren sich eh nicht für mich) nur Menschen akzeptiere, die mich im BH als Mann akzeptieren.
Bis dahin
Euer BraBerliner
PS: Es gibt Neuigkeiten. Ich habe mich unlängst in die Marke Empreinte verliebt. Zugegeben nicht eben besonders preiswert, aber himmlisch und ihren Preis wert. Meinen Review zum Melody lest Ihr demnächst.
Samstag, 10. Oktober 2015
Männer- und Frauenmode - altmodische Trennung oder sinnvoll
Hallo Ihr Lieben,
überall tobt in den intellektuellen Kreisen eine Debatte um Gender. Ich halte nicht viel von diesen tönenden Wortgefechten, weil sie an der Realität vorbeigehen und in der Praxis ist es ohnehin unerheblich, ob jemand nun als maskulin, feminin oder neutrinum anzuschreiben oder anzusprechen ist. Man kann es drehen und wenden, aber eigentlich kommt damit nur eine gewisse Weltfremdheit zum Ausdruck, als könne man durch Wortspiele ernsthaft die Wirklichkeit verändern.
Ziemlich getrennt einerseits, aber auch als Ausdruck der neuen Selbstbewusstheit der Frauen geht es in der Mode zu. Während sich Frauen schon seit Jahren keine modischen Vorschriften, der Gender-Trennung bieten lassen und immer mehr die "klassische Männermode" aufrauchen, tut sich auf Männerseiten höchstens in avantgardistischen Kreisen oder aber im Bereich des Transgender, Crossdressing etwas.
Ich habe auch diesen Sommer wieder die vielen Frauen in ihren liftigen Kleidern und Röcken beneidet, wenn sie bei Temperaturen über 30 Grad luftig umherschwebten, während wir in unseren Hosen geschwitzt haben. Bestenfalls im Freizeitbereich ist eine Short angesehen, aber dann meist züchtig über die Knie hinweg. Mit meinen Shorts habe ich, trotz meiner durchaus vom Radsport her attraktiven Beine (übrigens glatt rasiert), oft kritische Blicke über mich ergehen lassen müssen.
Deshalb anbei meine kleine Umfrage. Wie schätzt Ihr das mit der Mode ein? Seid Ihr eher der klassische Typ, der sich nur im Anzug wohl fühlt oder wünscht Ihr Euch auch, so wie ich, mehr Mut in der Männermode, sei es mehr unisex oder auch den Griff in die Regale der Damenabteilung. Ist die strikte Trennung in Herrenmode und Damenmode, mal abgesehen von anatomischen Besonderheiten, eigentlich wirklich sinnvoll? Naja und für die Männer mit Brüsten sind ja gewisse anatomische Äquivalente zumindest bei den Oberteilen gegeben.
Bin ganz gespannt, wie Ihr das seht, gerne auch wieder Kommentare.
Viele liebe Grüße
Euer BraBerliner
überall tobt in den intellektuellen Kreisen eine Debatte um Gender. Ich halte nicht viel von diesen tönenden Wortgefechten, weil sie an der Realität vorbeigehen und in der Praxis ist es ohnehin unerheblich, ob jemand nun als maskulin, feminin oder neutrinum anzuschreiben oder anzusprechen ist. Man kann es drehen und wenden, aber eigentlich kommt damit nur eine gewisse Weltfremdheit zum Ausdruck, als könne man durch Wortspiele ernsthaft die Wirklichkeit verändern.
Ziemlich getrennt einerseits, aber auch als Ausdruck der neuen Selbstbewusstheit der Frauen geht es in der Mode zu. Während sich Frauen schon seit Jahren keine modischen Vorschriften, der Gender-Trennung bieten lassen und immer mehr die "klassische Männermode" aufrauchen, tut sich auf Männerseiten höchstens in avantgardistischen Kreisen oder aber im Bereich des Transgender, Crossdressing etwas.
Ich habe auch diesen Sommer wieder die vielen Frauen in ihren liftigen Kleidern und Röcken beneidet, wenn sie bei Temperaturen über 30 Grad luftig umherschwebten, während wir in unseren Hosen geschwitzt haben. Bestenfalls im Freizeitbereich ist eine Short angesehen, aber dann meist züchtig über die Knie hinweg. Mit meinen Shorts habe ich, trotz meiner durchaus vom Radsport her attraktiven Beine (übrigens glatt rasiert), oft kritische Blicke über mich ergehen lassen müssen.
Deshalb anbei meine kleine Umfrage. Wie schätzt Ihr das mit der Mode ein? Seid Ihr eher der klassische Typ, der sich nur im Anzug wohl fühlt oder wünscht Ihr Euch auch, so wie ich, mehr Mut in der Männermode, sei es mehr unisex oder auch den Griff in die Regale der Damenabteilung. Ist die strikte Trennung in Herrenmode und Damenmode, mal abgesehen von anatomischen Besonderheiten, eigentlich wirklich sinnvoll? Naja und für die Männer mit Brüsten sind ja gewisse anatomische Äquivalente zumindest bei den Oberteilen gegeben.
Bin ganz gespannt, wie Ihr das seht, gerne auch wieder Kommentare.
Viele liebe Grüße
Euer BraBerliner
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