Sonntag, 10. April 2016

Emanzipation in der offenen Gesellschaft

Hallo Ihr Lieben,

zuletzt bin ich vor allem auf der Review-Schiene unterwegs gewesen. Wenn ich meinen Blog klassifizieren müsste, dann würde ich wohl eine Mischung aus Lingerieblog und simpel philosophischer Selbstspiegelung sehen. Als Lingerieblogger bin ich wohl nach wie vor ein Exot. Das Problem ist, dass man schnell in die Schublade eines Schlüssellochexhibitionisten geschoben wird, wenn man als Mann über Büstenhalter am eigenen Körper schreibt und das Ganze zusätzlich visuell unterstützt. Bei heimlichen Voyeur wäre ich wohl gegenüber der Vielzahl weiblicher Bloggerinnen wenig interessant, für die Modeindustrie bin ich wohl ohnehin uninteressant und für die, die nach Trash im Internet suchen, werde ich wohl als Joke hier und da umhergereicht werden.

Allerdings sehe ich mich eher als Betroffenen an, der versucht, sein eigenes Weltbild anderen ebenfalls Betroffenen zu vermitteln, sie aufzumuntern und die eigenen Erfahrungen zu teilen. Aus dieser Sicht heraus bin ich auch der festen Überzeugung, dass entscheidend für unser Wohlbefinden ist, sich anzunehmen und mit einem positiven Selbstbild das Leben zu meistern. Genau dieser Punkt ist es, warum ich sehr viel Sympathie für feminine Emanzipationsbewegungen empfinde und aus genau diesem Grund habe ich mich etwas stärker mit dem Thema Emanzipation beschäftigt.

Der Begriff, mit lateinischer Sprachwurzel, wird vor allem mit Befreiung verbunden, war es historisch die Befreiung von väterlicher Bevormundung oder aus abhängigem Leben, so wurde er vor allem im letzten Jahrhundert mit den Frauenbewegungen verbunden. Sich emanzipieren bedeutet für mich, sich von Fesseln zu befreien, sich unabhängig zu machen, sei es von materieller Abhängigkeit oder von geistiger Abhängigkeit. In einer offenen Gesellschaft, wie unserer, ist es vor allem wichtig, sich von zweifelhaften gesellschaftlichen „Normen“ zu befreien und das ist genau der Punkt, in dem ich gedanklich den diversen Frauenbewegungen nahe stehe. Allerdings ärgere ich mich auch regelmäßig, wie in vielen Foren oder Gruppierungen reflexartig gebissen wird, wenn jemand auch nur ansatzweise Kritik an Leitsätzen übt.

Worin sehe ich vor allem Gemeinsamkeiten zwischen meinen und feministischen Auffassungen:
  1. Ich sehe eine unbegründete Ungleichheit, mit der Geschlechter gemessen werden.
  2. Ich lehne jede Art an Normierung des Individuums in körperliche oder geistige Kategorien ab.
  3. Ich bin gegen selbstzerstörerische bis zum Eigenhass hingehende Selbstspiegelung.

Was bereitet mir Sorge?
  1. Ich sehe eine zunehmende Polarisierung, die zunehmend zu Hass führt.
  2. Ich erkenne in vielen Äußerungen der Emanzipationsbewegungen Muster, die mir aus den ausgrenzenden Regeln der der bestehenden Strukturen wohl bekannt sind.
  3. Ich ärgere mich über Reaktionen auf Kritik, die vermitteln, dass sie aus dem Wissen heraus erfolgen, im Besitz der einzigen Wahrheit zu sein.

Ich habe kürzlich einen Artikel gelesen, der mich sehr nachdenklich gemacht hat. Er mündete im Wesentlichen in folgende Aussage:

Die binäre Einteilung der Menschen in zwei Geschlechter ist nicht nur ein entscheidender Nachteil unserer gesellschaftlichen Entwicklung, sie ist auch aus biologischer Sicht schlichtweg falsch.

In dieser Aussage steckt eine erhebliche Brisanz, weil viele gegenwärtige gesellschaftliche Probleme genau eine Folge dieser binären Teilung sind. Sei es die Diskussion über die gleichgeschlechtliche Ehe, die Gleichbehandlung der „beiden Geschlechter“, die Unterrepräsentation von „Frauen“ in verantwortlichen Positionen, überall ist die Ursache eine binäre Geschlechterrolle. Es erscheint so, als sei es dem „Teufel“ gelungen, durch eine Trennlinie zwischen den Menschen zwei ewig in Zwietracht lebende annähernd gleich große Gruppierungen zu schaffen, die anstatt die wirklichen Probleme zu lösen, sich in einem ewigen Kampf um Gleichheit verschleißen.

Worin sich die gesellschaftlichen Diskussionen immer gleichen, ist „das Wissen darum“, dass immer die anderen Schuld sind.
  • Ungleiche Behandlung und Entlohnung von Mann und Frau: Schuld sind die verkrusteten Strukturen der alten Männer.
  • Psychische Probleme, Körperhass und Depressionen bei Frauen: Schuld sind die Erziehung und die Normative, die die Medien verbreiten.

Emanzipation fängt für mich beim Ich an. Emanzipation ist eine „aktive Handlung“ des Individuums, um sich aus etwas zu befreien. Was haben erfolgreiche Manager und Managerinnen gemeinsam: Sie sind von sich selbst überzeugt, sie haben sich gegenüber den „gesellschaftlichen Normen“ emanzipiert, teilweise mit der negativen Folge, ein völlig übersteigertes Selbstbild zu besitzen. Vergütungen, Unfähigkeit zu Selbstkritik („Bin ich Gott?“), selbstherrliche Beratungsresistenz sind in aller Regel geschlechterübergreifend. Genauso aber auch verantwortungsvolles Handeln und die Bereitschaft, eigene Entscheidungen zu prüfen und erforderlichenfalls anzupassen.

Unsere offene Gesellschaft bietet sehr viele Möglichkeiten, sich von falschen oder fragwürdigen gesellschaftlichen Normen zu lösen, wenn wir bereits sind, mit uns selbst zu beginnen. Was wiederum heißt, Emanzipation beginnt in unserem Innern. Aber zur Emanzipation gehören auch ein gewisses Vertrauen und die Bereitschaft, sich mit Argumenten auseinanderzusetzen. Vertrauen heißt, ich muss anderen zugestehen, dass sie, auch wenn sie nicht meiner binären geschlechtlichen Gruppe angehören, meine Auffassungen zu teilen. Sich mit Argumenten auseinandersetzen heißt, ich muss bereit sein, meine „eigene Wahrheit“ fortwährend auch in Frage zu stellen.

Ich bin mir sicher, dass mittelfristig die Emanzipation des Individuums jenseits aller binären Trennung funktionieren wird. Ich bin mir aber auch sicher, dass das noch sehr viele Mühen verursachen wird. Ich merke ja an mir selbst, wie schwierig Emanzipation ist, und sei es nur, wenn es um so simple Dinge geht, wie einen BH zu tragen, der in unserer binären Weltsicht den Frauen vorbehalten ist, während ich in unserer binären Welt doch ein Mann bin. Und damit sind wir wieder am Ausgangspunkt angelangt. Ich schreibe wohl doch eher einen Lingerieblog und das ist ein Teil meines Versuches, mich als Individuum zu emanzipieren.

Wie seht Ihr das Thema? Habt Ihr ähnliche Sorgen wie ich? Wie weit habt Ihr Euch schon emanzipiert? Oder ist das alles Quatsch?

Halt ein ziemlich kompliziertes Thema. Ich hoffe dennoch, Ihr habt bis hier gelesen.

Einen gut sitzenden BH für die nächsten Wochen wünscht


Euer BraBerliner

Sonntag, 13. März 2016

Schnittzwillinge mit Unterschied – Curvy Kate Madagascar und Cascade

Hallo Ihr Lieben,

was tun, wenn der Frühling keine Lust hat, sich zu zeigen? Während ich hier sitze und darauf warte, dass sich die Wolkendecke lichtet, um ein paar Sonnenstrahlen durchzulassen und den seit Tagen angekündigten Frühlingsanbruch zu zelebrieren, bereitet sich die Bekleidungsbranche vor, die Modelle für die nächste Wintersaison vorzubereiten. Wäre ich als Modeblogger unterwegs, würde ich mich mit der nächsten Wintersaison auseinandersetzen. Stattdessen habe ich beschlossen, meine unlängst beschafften und getesteten neuen BHs vorzustellen.

Vielleicht kommt ja heute doch noch die versprochene Frühlingssonne zum Vorschein, zumindest mit dem Madagascar in Pixie Print und dem türkisfarbenen Cascade habe ich vor ein paar Wochen zwei Frühlingsstücke in meine Wäscheschublade einsortiert. Von der Schnittform erinnern mich beide sehr an den bewährten Dreamcatcher und so hat mich auch nicht verwundert, dass die Maße und die Form tatsächlich weitgehend identisch sind. Auch das Design, sieht man von den Stickereien und Applikationen einmal ab, ist sehr ähnlich aufgebaut. Umso erstaunlicher, dass die BHs ein unterschiedliches Tragegefühl vermitteln, was vor allem auf die materielle Zusammensetzung zurückzuführen ist.

Vornweg: 

Der Dreamcatcher, der nun schon seit fast zwei Jahren zu meinen Basics gehört, ist vom Schnitt denn doch deutlich abweichend von den beiden Neuen, hier hat CK aber wohl mittlerweile die Form verändert, da der BH wohl passformtechnisch eher schwierig war. Madagascar und Cascade, die erst später ins Programm aufgenommen wurden, sind schon mit verbessertem Schnitt an den Start gegangen. Zwar hatte ich mit dem Schnitt des Dreamcatcher keine Probleme, aber sowohl beim Test, als auch im Dauereinsatz haben beide viele positive Eigenschaften bewiesen, die beim Dreamcatcher noch nicht vorhanden waren. So ist die Trägerbefestigung nicht mehr soweit außen am Cup und das Verhältnis Bügellänge zu Bügelbreite ausgewogener, allerdings sind die Träger leider etwas kürzer.

Cascade 38E

Madagascar 38E

Technische Daten:

Angaben in cm
Madagascar Pixie Print 38E


Cascade pixie 38E
Material
Nylon 48%
Polyester 41%
Elasthan 11%
Nylon 94 %
Elasthan 6 %

Unterbrustband Länge: fest / locker
101 / 78
101 / 78
Unterbrustband Höhe: Achseln / Verschluss
8 / 5,5
8 / 5,5
Bügellänge / Bügelbreite
27 / 17
27 / 17
Steghöhe / Stegbreite unten / oben
7 / 5 / 1
7 / 5 / 1
Körbchentiefe
28
28
Trägerlänge / Trägerbreite
40 / 2
40 / 2


Wie aus der Tabelle ersichtlich ist, sind beide BHs von den Maßen identisch, auch der eigentliche Schnitt ist identisch, bis hin zu den am Band bis zum 3er Hakenverschluss angenähten verlängerten Trägern.

Cascade 38E

Madagascar 38E von hinten fast wie Cascade
Dennoch ist die Trageeigenschaft wegen der deutlichen Materialunterschiede verschieden. Erstaunlich für mich war, dass der geringere Elasthananteil beim Cascade nicht die erwartete höhere Festigkeit des Brustbandes zur Folge hat, vielmehr sitzt der Madagascar mit fast doppelt so hohem Elasthananteil deutlich fester.

Schnitt:

Beide BHs sind als Balconnettes ausgeführt. Die Senkrechtnaht im vorderen Drittel des Cups und die V-förmig aufeinander zulaufenden Quernähte teilen den Cup in drei Teile ein, oberhalb der Quernaht ist der Stoff aus besticktem Mesh-Gewebe. Der Stoff in den Cups ist fest und bietet damit den nötigen Halt, beim Cascade ist darüber hinaus der untere Teil des Cups aus zwei Stoffschichten verstärkt. Das Band selbst ist angenehm breit und drei Haken am Rückenverschluss sorgen für guten Stützeffekt. Vor einigen Jahren hatte ich noch Bedenken, wenn BHs mit drei Haken zu verschließen waren, da sie mich an die altbackenen Modelle aus den 70er Jahren erinnerten. Mittlerweile finde ich dreier Hakenverschlüsse deutlich angenehmer als schmale mit einem oder zwei Haken zu schließende Bänder.

Design:

Vergleicht man das Design, so findet man zwei völlig verschieden BHs. Zum einen der elegante, fast festliche Cascade – einfarbig, eingesticktes Rautenmuster, Strassapplikation zwischen den Cups. Auf der anderen Seite der verspielte Madagascar mit Animalprint im Cup, pinkfarbener Schleife zwischen den Cups und an den Ansätzen der Träger – in frischem jugendlichem Design.

Cascade - elegant gediegen

Madagascar - jugendlich frisch
Beide BHs haben somit ihre Vorzüge, die leuchtende Farbe beim Cascade und die Verspieltheit des Madagascar  – die mich an die teilweise quietsch-bunten Cleos der letzten Jahre erinnert. Wenn man die BHs sieht, muss man sie einfach mögen.

Passform und Tragekomfort:

Beide BHs passen. Der Cascade sitzt sehr unauffällig auf der Haut und schon nach kurzer Zeit vergisst man, dass man einen BH trägt. Der Stoff in den Cups ist sehr weich und angenehm. Hin und wieder musste ich die Träger nachrücken, da diese verrutschten. Allerdings hat sich das mit der Zeit weitgehend gegeben. Der obere Cuprand ist leicht elastisch und toleriert unterschiedliche Festigkeit des oberen Brustgewebes. Der Cup fühlt sich immer passend an.



Madagascar sitzt ebenfalls sehr angenehm, allerdings ist der Stoff der Cups anfangs etwas kratzig. Das gibt sich nach mehreren Waschgängen. Der BH formt deutlich stärker, als sein Pendant. Insgesamt sind sowohl das Band, als auch die Cups fester, als beim schnittgleichen Cascade. 

Cascade 

Madagascar
Leichter Faltenwurf bei meiner etwas kleineren rechten Brust, allerdings nur bei genauem Hinsehen. Ein Verrutschen der Träger war dagegen kein Thema. Bei weicheren Brüsten könnte der feste obere Cuprand ein Problem werden.

Cascade

Madagascar
Beide BHs heben die Brust sanft an und formen natürlich. Ohne übermäßigen Uplift oder ein starkes Zentrieren nach vorn entsteht eine runde Brust, die nicht übermäßig auffällt. Da die BHs ungepaddet sind, sind sie auch an wärmeren Tagen angenehm zu tragen. Unter engen Shirts fallen sie auf, da sowohl Stickereien als auch die Nähte sich deutlich abzeichnen.

Gesamteinschätzung:

Mit Madagascar und Cascade hat der Frühling begonnen. Je nach Stimmung sorgen gediegene Eleganz oder jugendliche Frische für ein angenehmes Darunter mit viel Komfort. Minuspunkte gibt es für rutschende Träger beim Cascade und etwas kratzigen Stoff beim Madagascar. Dennoch sind beide gut gelungen. Für weicheres Brustgewebe ist der Cascade besser geeignet, als der Madagascar.

Wie immer freue ich mich auf Eure Kommentare


Euer Braberliner

Sonntag, 14. Februar 2016

Avocado Mirabelle – Kurzreview über ein sympathisches Früchtchen

Hallo Ihr Lieben,

nach einiger Ruhe soll nun heute das versprochene Review zum Avocado Mirabelle kommen. Mirabellen sind die kleinen, gelben Zwetschgen, die meistens recht säuerlich schmecken, an dornigen Sträuchern wachsen und zu Likören gebrannt oder als Kompott genossen werden.

Avocado Mirabelle 85E
kleine Mirabellen auf schwarzem Grund
Als ich von Agnieszka, der Eigentümerin der kleinen aber feinen Lingerie-Boutique Brafinette in Pankow hörte, dass die neuen Modelle von Avocado eingetroffen sind, war das für mich ein guter Grund, wieder mal vorbeizuschauen. Schließlich hatte ich vor einiger Zeit mit dem Jewel von Avocado einen wirklichen Juwel erstanden und die neuen Modelle machten mich neugierig. Der Mirabelle war mir seinerzeit schon wegen seiner sehr schicken Stickerei aufgefallen, leider wollte er aber gar nicht mit meiner Brust harmonieren. Zwischenzeitlich hatte aber Avocado die Anzahl der Schnittformen konsequent reduziert und Änderungen an den Passformen vorgenommen, weshalb ich mir dachte, es wäre sicherlich einen Versuch wert, eine zweite Anprobe zu machen.

Stickerei und Lochstickerei bis zum Seitenstäbchen

Avocado zeichnet sich durch eine liebevolle Verarbeitung feiner Stoffe zu feinster Lingerie aus. So war ich auch nicht überrascht, wieder mehrere vom Design her schlicht aber dennoch spektakulär und in ausgezeichneter Verarbeitung präsentierte BHs zu sehen. Von den probierten Modellen war nach eigenem Empfinden, aber auch nach dem meiner wie immer zuvorkommenden und diskreten Beraterin der Mirabelle das Vorzugsexemplar. Und so wurde der Mirabelle ein ständiges Teil meiner BH-Schublade.

Technische Daten:

Angaben in cm
Mirabelle 85 E
Material
Polyamid 45 %
Polyester 50 %
Elasthan 5 %

Unterbrustband Länge: fest / locker
98 / 79
Unterbrustband Höhe: Achseln / Verschluss
10 / 6
Bügellänge / Bügelbreite
29  / 18
Steghöhe / Stegbreite unten / oben
9 / 4 / 1
Körbchentiefe
29
Trägerlänge / Trägerbreite
36 / 1,8

Schnittform:

Der BH ist als klassischer Balconnette ausgeführt. Charakteristisch die Quernaht und eine Senkrechtnaht in Körbchenmitte, dazu ein verstärkendes Seitenstäbchen und Außenträger. Ein hoher eher schmaler Steg und ein breites mit 3 Haken in drei Positionen im Rücken verschließbar rundet das Bild ab. Elastischer Spitzenabschluss am Obercup der ungefütterten eher festen Körbchen sowie elasthanhaltige Seitenteile sorgen für den Halt. Die Träger sind, wegen der Stickerei in der vorderen Hälfte, theoretisch bis zur Mitte verstellbar.

Quer- und Senkrechtnaht mit Außenträgern

Passform und Tragekomfort:

Die elastische Spitze am Obercup sorgt für genügend Toleranz, um ein Einschneiden ins Brustgewebe zu verhindern. Das ist wichtig, wenn beim Tragen wegen unterschiedlicher Brustvolumen meist ein Cup gröer zu Faltenbildung neigt und ein Cup weniger die größere Brust an den Rand des Überquellens bringt. Die Seitenstäbchen sorgen für eine gute zusätzliche seitliche Stabilisierung. Die Bügel sind fest und die Länge ist zwar beachtlich, aber ein geringes Spiel am äußeren Ende verhindert ein Drücken in die Achseln. Anhand meiner eigenen Brustbeschaffenheit würde ich den BH als breitbrustgeeignet einstufen. Die Körbchen sind eher etwas tiefer geschnitten (trage sonst 38E entspricht einer 85F), das Band ist fest, aber da es in Ruhelage etwas länger ist, ebenfalls angenehm, ohne zu drücken. Ich persönlich finde – abgesehen von den in der Länge knappen Trägern, den BH als sehr angenehm.
dreier-Verschluss im Rücken
Der BH formt diskret und natürlich. Die Brust wird angenehm leicht angehoben und zentriert und behält eine natürliche leicht runde Form. Viele Balconettes verursachen einen starken Uplift-Effekt, indem sie den Busen stark zur Mitte anheben. Ich kenne das von meinen Cleo-BHs. Das ist bei Mirabelle nicht der Fall. Dennoch ist ein formender Effekt nicht zu übersehen.

Design:

Das Design finde ich sehr angenehm. Die schwarzen Stickereien in Cups sind durch kräftig orange, fast rötliche Pünktchen aufgewertet, vermutlich sind das die Mirabellen, zumal die Stickereien durchaus an einen Strauch erinnern. Stickereien und Pünktchen setzen sich im vorderen Teil der Träger fort. Der Cup-Abschluss enthält blütenförmige Lochstickereien und am oberen Stegende thront eine große pinkfarbene Schleife. Auch am unteren Ende des Bandes, bis zu den Seitenstächen ist diese Lochstickerei angesetzt. Die Seitenteile bis zum Rückenverschluss sind in einem schlichten Schwarz gehalten. Wer sich mit Spitzen-BHs schwer tut, dem kann ich diesen BH dennoch mit seinem sehr gelungenen Design empfehlen.
Schleife zwischen den Cups
Mirabellen mit Strauch

Sichtbarkeit:

Über die Sichtbarkeit von BHs wurde schon viel geschrieben. Wie alle Spitzen-BHs neigt auch der Mirabelle zum Durchdrücken der Cupnähte. Wer das nicht will, muss einen BH ohne Nähte oder einen Schalen-BH ausweichen. Wesentlicher aber ist, dass die eher flachere Schnittform den Busen nicht übermäßig betont, so dass er unter einem etwas weiteren Shirt wohl kaum auffallen wird.
eher unauffällig im Profil

Senkrechtnaht ist zu sehen

Fazit:

Mit Mirabelle ist Avocado ein schlichter, aber sehr ansprechender BH gelungen, der sogar eine gewisse diskrete Erotik ausstrahlt. Eine angenehme Passform mit leichten Materialien macht den BH auch an wärmeren Tagen zu einem diskreten und verlässlichen Begleiter. Feste Körbchen und ein elastischer Cupabschluss sorgen für ausreichende Toleranz, Seitenstäbchen und ein breites Band für sicheren Halt. Der Preis von ca. 70€ ist für einen BH dieser Qualität fair.

Wie immer freue ich mich auf Eure Kommentare. Als nächstes kommen wieder Reviews zu mehreren Curvy Kate BHs, darunter der gepaddete Ritzy und der ungepaddete Madagascar.

Einen angenehmen Sonntag und eine gute Zeit wünscht

Euer BraBerliner


PS: zum Thema Valentinstag schreibe ich nichts, da ich die Kommerzialisierung schlicht und einfach abtörnend finde. 

Samstag, 9. Januar 2016

BH-Suche – auf die Passform kommt es an

Hallo allerseits,

ich hoffe, Ihr seid gesund und munter ins neue Jahr gerutscht. Nachdem hier die erste Kältewelle durchgerutscht ist, hat das übliche Schmuddelwetter nur einen Tag angehalten und heute herrscht hier Sonnenschein und klare Luft. Eigentlich sollte ich etwas spazieren gehen, aber ich schreibe vor meinem sonnabendlichen Training auf der Rolle lieber einen neuen Post.

Wenn man die Werbung der großen Hersteller ernst nimmt, ist die BH-Suche ein rein anlassgebundenes Unterfangen. Ausgewählt wird nicht nach der Passform sondern danach, zu welchem Anlass man welche Garderobe trägt. Ich denke aber, auch wenn die Garderobe eine gewisse Rolle spielt, sollte der Passform die entscheidende Rolle zukommen.

In Bezug auf die Garderobe müssen wir als Männer ohnehin weniger Acht geben, da wir selten ausgeschnittene Oberteile tragen und auch eher nicht dazu neigen, ein Dekolleté zu zeigen. Insofern können wir uns vollkommen auf die richtige Passform konzentrieren.
Für einen guten, passenden BH ist die Schnittform und die Konstruktion entscheidend. Die Größe allein kann nur als Orientierung dienen. Dabei sind:

  1. Die Schnittform,
  2. Die Form und Breite der Bügel,
  3. Die Bügellänge,
  4. Die Trägerbefestigung,
  5. Die Tiefe der Cups und
  6. Die Ausführung der Cups

entscheidend, ob der BH wirklich richtig sitzt.

Schnittform

Schnittformen sind von Hersteller zu Hersteller sehr unterschiedlich benannt, im allgemeinen Sprachgebrauch können Voll-Cup und Semi-cup bei der  Ausgestaltung, Balconette und Plunge bei der Höhe des Stegs  und gepaddet oder ungepaddet bei der Ausgestaltung der Cups unterschieden werden. Auch wenn diese sehr grobe Einteilung vielen Brafitterinnen wahrscheinlich den Schweiß auf die Stirn treiben sollte, möchte ich diese grobe Einteilung hier genauer betrachten.

Voll-Cup-BHs sind in aller Regel entweder mit Schalen, Pads oder ohne beides ausgestaltet. In aller Regel sind die Träger mittig am Cup angebracht. Dadurch wird das oft lästige Rutschen der Träger vermieden. Bei ungepaddeten Voll-Cups kann sich je nach Brustform allerdings entweder ein leichter Faltenwurf im Obercup bilden, der sich oft durch die richtige Einstellung der Trägerlänge korrigieren lässt. Voll-Cups-BHs eignen sich insbesondere bei weicheren Brüsten mit viel Volumen im oberen Teil. Viele Männer haben deshalb Probleme mit dieser Schnittform.

Fantasie Esme - typische Voll-Cup
Semi-Cups, darunter insbesondere Half-Cups haben meistens Außenträger und einen offen oberen Cupabschluss. Dadurch eignen sie sich besonders für festere Brustgewebe mit flächiger Verteilung oder mehr Volumen im unteren Teil. Nach meiner Erfahrung sind das die am meisten für Männer geeigneten Schnittformen.
Panache Sienna - Half-Cup 
Bei den Half-Cups sind insbesondere die Plunge-Form, die mit niedrigem Steg meistens eine schräge Quernaht und bis zu zwei Senkrechtnähte oder in der Schalenform ohne Nähte ausgeführt sind und die Balconettes, die eine Quernaht und ein oder zwei Senkrechtnähte haben (mit oder ohne Padding) die am besten geeigneten BHs für Männer. Allerdings sind beide Schnittformen stärker formend als Vol-Cups, da das Brustgewebe oft von den Seiten nach vorn oben gedrückt wird, bei den Plunges insbesondere zur Mitte hin. Plunges besitzen den Vorteil, dass der niedrige Steg weniger auf das Brustbein drückt und bei enger zusammenstehenden Brüsten nicht auf das Gewebe drückt. Die Brüste werden zusammengedrückt und deshalb sind diese BHs als Push-up mit zusätzlichen Einlagen auch beliebt unter Kleidern und Oberteilen mit v-förmigem tieferem Ausschnitt. Balconettes hingegen heben die Brust stärker an. Insbesondere meine Cleo-BHs bringen die Brust weit nach vorn und oben. Balconettes sind deshalb auch oft unter dem Namen „Dirndl-BH“ bekannt und bei breitem Ausschnitt beliebt.

Plunge-BH - Curvy Kate Roxie
Bügelbreite und Bügelform

Die meisten Bügel sind halbkreisförmig ausgeführt, teilweise gibt es auch Bügel mit ovaler Form. Insbesondere der Bügelbreite kommt eine wichtige Bedeutung zu. Für die Männerbrust sind überwiegend breitere Bügel zu empfehlen, da die Brust meistens großflächig verteilt und der Brustkorb breit ist. Breite Bügel verhindern, dass der Cup auf der Brust aufliegt. Gerade das ist aber für einen passenden BH, der sich angenehm trägt, entscheidend. Ich persönlich empfehle möglichst breite Bügel, diese sollen möglichst in der Mitte der Achselhöhle am Körper anliegen. Auch ovale Bügelformen, wie sie oftmals in Plunge-BHs verarbeitet sind, sind dabei geeignet.

Cleo Minni - Bügel in Achselmitte
Bügellänge

BHs mit hohen Cups haben oftmals sehr lange Bügel. Die Folge kann sein, dass entweder die untere Cuphälfte Falten wirft oder der Bügel in die Achsel piekt. Ich habe diese Erfahrung unter anderem mit dem Rebecca von Fantasie und dem Panache Porcelain und Ardour (vorher Masquerade) gemacht. Eigentlich schade, weil ich diese BHs als insgesamt sehr schön empfinde.

perfekte Bügellänge - hier Tutti Rouge Liliana
Trägerbefestigung

Grundsätzlich werden Mittel- und Außenträger-BHs unterschieden. Die Schnittformen habe ich oben bereits benannt. Mittelträger-BHs haben den Vorteil, dass die Träger eigentlich nie rutschen. Bei den Außenträger-BHs kann das schon vorkommen, darüber hinaus sollte man darauf achten, das die Träger beim Vorbeugen oder Arme nach vorn strecken nicht in die Achsel einschneiden. Das war zum Beispiel beim Freya Deco bei mir der Fall, lediglich der Deco mit abnehmbaren Träger war als trägerloser BH einigermaßen bequem.

Außenträger - hier am Cleo Melissa
Cuptiefe

Die Cuptiefe muss man in der Regel in Kombination mit der Bügelbreite betrachten. So haben viele BHs mit schmaleren Bügel eine größere Cuptiefe, aber auch die französischen und einige polnische Modelle besitzen meist tiefere Körbchen, deshalb genügt mir zum Beispiel beim Empreinte Melody eine kleinere Cupgröße, auch Lejaby und Chantelle produzieren meist tiefere Körbchen.

tiefere Cups - hier Empreinte Melody
Ausführung der Cups

Bei der Ausführung der Cups sollte man unbedingt auf die Polsterung und den oberen Abschluss achten. Am besten an mir sind ungepolsterte Cups mit elastischem Cuprand. So passen zum Beispiel die Plunge-Version des Panache Andorra, Cleo Marcie, Minnie und viele Curvy Kate Schnitte perfekt. Probleme hatte ich dagegen mit der Voll-Cup Version des Panache Andorra und Freya Patsy.

Curvy Kate Tease - sitzt perfekt
Viele Probleme habe ich auch mit Schalen, die oftmals am Cuprand abstehen oder zum Abknicken neigen. Von den gepaddeten BHs passen am ehesten die Modelle von Tutti Rouge und Change, die meistens  sehr breite Bügel haben und sehr flach geschnitten sind. Richtig perfekt sitzt eigentlich nur der Tease  von Curvy Kate und der S Szykus von Ewa Michalak, der allerdings auch deutlich auffällt.

S Szykus von Ewa Michalak - perfekter Sitz aber auffallend
Fazit

Für einen passenden BH sind viele Dinge zu beachten. Während uns Bandlänge und Cupgröße eine erste Näherung bringen, kommt es insbesondere auf die Konstruktion des BHs und dabei besonders auf die Bügelform und die Ausführung der Cups an. Aus diesem Grund ist es auch sehr wichtig unbedingt zu probieren, und durch Bewegung aber auch einfach längeres Hinsetzen zu testen, ob der BH auch wirklich richtig sitzt. Schließlich soll er den ganzen Tag unser Begleiter sein und da ist ein richtiger Komfort schon von besonderer Bedeutung.

einer meiner Lieblings-BHs mit perfekter Passform - Curvy Kate Dreamcatcher


So, nun habe ich zumindest mal eine grobe Einführung in die aus meiner Sicht wichtigen Punkte der Passformbeurteilung gegeben. Ich wünsche Euch ein schönes und glückliches neues Jahr und freue mich auf Eure Kommentare.

Was ist Euch beim BH-Kauf in Bezug auf die Passform wichtig? Welche Erfahrungen mit unterschiedlichen Schnittformen habt Ihr gemacht? Habt Ihr die gleichen Erfahrungen mit den Bügeln? Worauf achtet Ihr insbesondere?

Viele liebe Grüße


Euer BraBerliner